Blog > Eintrag: Westblogger denken zuviel ans Geld?

Westblogger denken zuviel ans Geld?

Donnerstag, 26. November 2009, 19:12:41 | Armin Knigge

In carta, dem Online-Magazin für Politik, Ökonomie und digitale Öffentlichkeit, erfährt man Neues über die Blogosphäre im russischen Internet. Tatjana Brode hat einen Spezialisten interviewt (24.11.2009).

Anton Nossik (russ. Nosik) entwickelt seit Mitte der 1990er Jahre führende russische Informationswebsites, derzeit ist er Chefredakteur des Online-Wirtschaftsmagazins BFM.ru Im Video spricht er über die Freiheit von Bloggern, wichtige russische Blogs, Unterschiede zwischen der russischen und der westlichen Blogosphäre und über Präsident Medwedew. Das Interview wurde auf Englisch geführt.
Die wichtigsten Aussagen von Anton Nossik:

Man sollte die Bedeutung des Wortes Freiheit (bei Blogs) nicht auf die Freiheit begrenzen, die Regierung zu kritisieren. Russland hat eine Menge Zeitungen und Magazine, die das tun. Die Freiheit von Bloggern besteht darin, das auszudrücken, was sie denken und fühlen, unabhängig von der Politik des Herausgebers, von redaktionellen Zwängen oder dem Druck, Geld zu verdienen – und nicht notwendigerweise daraus, die Regierung zu kritisieren. Eigentlich gibt es keinen großen Unterschied zwischen Kritik oder Lob an der Regierung – beides sind Meinungen. Die entscheidende Frage ist, ob man frei ist, seine Meinung zu publizieren, oder der Politik eines Herausgebers folgen muss, die man nicht selbst gesetzt hat.

Viele Muster in der westlichen und der russischen Blogosphäre sind ähnlich, im Westen jedoch gibt es in allem ein kapitalistisches Grundprinzip: Mit jeder Sache, die man gut macht, will man früher oder später Geld verdienen. Deshalb verändern sich westliche Blogs, wenn sie bekannter werden, sie verkaufen Werbung und verwandeln sich in reguläre Massenmedien mit Angestellten, die statt des Erfinders schreiben, mit Marketing-Abteilungen etc. Das passiert in der russischen Blogosphäre nicht, weil sie einerseits aus denen besteht, die andere Einnahmequellen haben, und andererseits aus denen, die berühmt werden wollen, und nicht dafür bezahlt werden wollen, berühmt zu werden.

Einige Zahlen:

Das russischsprachige Internet hat zurzeit etwa 80 Millionen Nutzer, die Hälfte aus Russland, die andere Hälfte russischsprachige Personen im Ausland. Etwa eine Million davon betreiben ein Blog, etwa acht Prozent davon schreiben über Politik. Inzwischen haben viele, die zunächst mit Blogs experimentiert haben, in die sozialen Netzwerken gewechselt.

Blogs russischer Politiker:

In Russland ist es seit langem üblich, dass etwa Kommunalpolitiker Zeitungen gründen und betreiben – mit öffentlichen Geldern. Inzwischen haben einige ein Blog. Bei der Bevölkerung kommt das gut an, sie ist offen für den Dialog mit den Autoritäten, sofern sie nicht von oben herab kommunizieren. Auch Medwedew bloggt, auf seiner offiziellen Kreml-Website. Diskutieren und kommentieren können die Nutzer beim Bloganbieter LiveJournal, dort wird Medwedews Blog gespiegelt.

Kommentar:
Die Gedanken über die Freiheit des Bloogens leuchten mir ein. Schade nur, dass wieder einmal die Besonderheit der Russen auf dieser Welt bemüht werden muss. Das "kapitalistische Grundprinzip" herrscht ja wohl im gegenwärtigen Russland nicht weniger als im Westen. Und natürlich gibt es hier wie da Leute, die nicht ans Geld denken, weil sie das Blog aus Leidenschaft oder zum Spaß betreiben und andere Einnahmequellen haben. Ich gehöre auch dazu.
Armin Knigge

Kategorie: Russland und die Russen

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Für Kommentare nutzen Sie bitte das KONTAKTFORMULAR.

Неизвестный ГорькийMaxim Gorki

netceleration!

Seitenanfang