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"Zwei Seelen" - Kommentar

Freitag, 12. Februar 2010, 11:26:53 | Armin Knigge

Den Text des Artikels «Zwei Seelen» finden Sie hier.

«Die Demokratiebewegung muss /.../ lernen zu verstehen, was ihr aus Asien in Fleisch und Blut übergegangen ist, dem Asien mit seinem schwachen Willen, seinem passiven Anarchismus, seinem Pessimismus, seiner Neigung sich zu berauschen, zu träumen - und was von Europa in ihr steckt, dem durch und durch aktiven, in der Arbeit unermüdlichen, nur an die Kraft der Vernunft, der Forschung und der Wissenschaft glaubenden Europa.»

So seltsam und fragwürdig hier vieles klingt – diese Worte sind ein klares Bekenntnis Maxim Gorkis zum «Westen», gegen den «Osten», mit ihnen endet der Artikel «Zwei Seelen» (1915), einer derjenigen Texte aus seinem vielschichtigen Werk, die in Russland zunächst auf heftige Ablehnung stießen, in der sowjetischen Zeit praktisch verboten waren, aber doch immer wieder auftauchten, wenn es um das Thema der nationalen Identität und der Wege der russischen Geschichte ging. Diese Bedeutung teilt «Zwei Seelen» mit der Artikelserie «Unzeitgemäße Gedanken» (1917/18) und der Abhandlung «Über das russische Bauerntum» (1922). Nach ihrer Wiederentdeckung in den Jahren der Perestrojka gehören diese Texte in Russland zu den viel zitierten Beiträgen aus der historischen Debatte über Russland zwischen Asien und Europa. In deutscher Sprache ist «Zwei Seelen», wenn meine Recherche richtig ist, zuletzt 1922 erschienen, gehört also zu den weitgehend unbekannten Texten im deutschsprachigen Raum.

OSTEN und WESTEN

Seltsam und fragwürdig erscheint heute – fast ein Jahrhundert später – vor allem die Verwendung der Begriffe «Osten» und «Westen» und ihre eindeutig wertende Gegenüberstellung. Gemessen an dem für Gorki einzig «vernünftigen» Ziel der Geschichte, der Befreiung der Menschheit von ihren Schwächen, die allesamt aus Aberglauben und Vorurteilen und dem mangelnden Vertrauen in die Kraft der Vernunft und der Arbeit resultieren, erscheint der Osten als das Reich des Bösen, der Westen als das gelobte Land. Hier gibt es keine Kompromisse, keine «Mitte», nur einen «unversöhnlichen Gegensatz». Der «Mensch des Ostens» bleibt in Schicksalsgläubigkeit, Apathie und Pessimismus versunken, aus denen er Auswege in eine Welt des Rausches und des Traums sucht. Der «Mensch des Westens» sprüht vor Selbstbewusstsein und Aktivität und glaubt unerschütterlich an die Macht der Vernunft. Aber gibt es diese Kategorien überhaupt, haben sie eine Basis in der kulturgeographischen Realität jener – oder unserer – Zeit? Sind das nicht eher ausgedachte «ewige» oder «rassische» Merkmale? Gorki hat diesen Vorwurf vorausgesehen und entschieden zurückgewiesen. Er spreche nicht von «metaphysischen Wesenheiten» oder Rassemerkmalen, er stelle nur zwei verschiedene «Weltempfindungen» und «Denkgewohnheiten», «zwei Seelen» gegenüber, die gleichwohl durch unterschiedliche historische Bedingungen in Asien und Europa verursacht seien. Im Osten gehören dazu der religiöse Fanatismus und die despotischen Staatsformen, im Westen Renaissance und Aufklärung. Ansätze neuer Entwicklungn in östlichen Ländern wie der Türkei, China und Indien in Richtung auf «Aktivität» und nationale Selbstbestimmung , die am Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich zu erkennen waren, führt Gorki ausschließlich auf westlichen Einfluss zurück. Eben deshalb erschien ihm und seinen Gesinnungsgenossen um die Zeitschrift» «Letopis'» der Weltkrieg als eine kulturhistorische Katastrophe. Sie lähmte die «vernünftigen» Kräfte des Westens, stürzte sie in ein sinnloses Blutvergießen.
Aus heutiger Sicht hat sich der Siegeszug des «Westens» auch nach zwei Weltkriegen fortgesetzt, wenn auch nicht ganz im Sinne Gorkis. Angesichts der stürmischen wirtschaftlichen Entwicklung Chinas, Indiens, der Türkei und anderer asiatischer Länder kann jedenfalls von dem «altersschwachen Geist des Ostens» keine Rede mehr sein. Auf der Gegenseite hat das Bild eines durch und durch aktiven, in der Arbeit unermüdlichen, allein an die Kraft der Vernunft glaubenden «Westens» viel von seinem Glanz verloren, sofern dieses Bild denn jemals der Realität entsprochen hat.

Gorkis Artikel erweist sich also heute in vielem als Zeugnis einer vergangenen Epoche, fast naiv in seiner Vernunft-Gläubigkeit und angreifbar in seiner Argumentation. Dennoch lohnt es sich durchaus, den Gedanken des Schriftstellers – gerade auch in ihren fragwürdigen Aspekten – nachzugehen. Interessante Gesichtspunkte ergeben sich hier insbesondere zum Thema der nationalen Identität, zur Doppelnatur des Bolschewismus (wie Gorki ihn verstand) und zu den Widersprüchen innerhalb der Persönlichkeit des Schriftstellers und Publizisten Gorki. In jedem dieser Themen kommt das Muster der «zwei Seelen» zum Ausdruck.

Zwei Seelen Russlands

Drei der vier Teile des Artikels behandeln den Ost-West-Gegensatz als universales kulturhistorisches Phänomen, nur der letzte ist Russland und der aktuellen Situation des Landes gewidmet. Er ist dennoch der wichtigste Teil, Gorkis Internationalismus wirkte immer ein wenig künstlich und bildungsbeflissen, sein ureigenes Thema war der «russische Mensch». In Fortsetzung der alten Debatte zwischen «Westlern» und «Slavophilen» beschreibt Gorki mit eigenen Zutaten die Doppelnatur des Nationalcharakters:

«Wir, die Russen, haben zwei Seelen: die eine stammt von dem nomadisierenden Mongolen, dem Träumer, Mystiker und Faulpelz, der überzeugt ist, dass «das Schicksal der Richter aller Dinge ist» /.../; und neben dieser kraftlosen Seele lebt die Seele des Slaven; sie kann schön und hell entflammen, aber sie brennt nicht lange, verlöscht schnell und ist wenig fähig zur Selbstverteidigung gegen die Gifte, die ihr eingeimpft sind und ihre Kräfte zerstören.»
Die gefährlichen Gifte für die russische Psyche – in Form der Diskreditierung der Kräfte des Vernunft, des Willens und der Arbeit - kamen nach Gorkis Auffassung selbstverständlich aus dem Osten, nicht nur aus der alten Tradition des Tatarenjochs und des Moskauer Staates, sondern auch aus den neuesten «reaktionären» Strömungen, vor allem nach der gescheiterten Revolution von 1905. Der Autor bezieht sich hier auf das Plädoyer der Autoren des Sammelbands «Vekhi» (Wegmarken, 1909) für eine Demystifizierung des Begriffs der Revolution und die Rückbesinung auf Grundwerte der Moral und der Religion, vor allem aber auf die neue Welle des Nationalismus, die mit dem Beginn des Weltkriegs das politische Leben bestimmte. Selbst diejenigen unter den prominenten Zeitgenossen, die Gorkis Streben nach einer Europäisierung Russlands prinzipiell teilten, erweckten dennoch die Thesen der Slavophilen und Dostojewskis von der «Besonderheit» des russischen Wesens, das im Grunde gleichbedeutend war mit seiner geistigen Übrlegenheit über andere Nationen, zu neuem Leben. So erblickte der Philosoph Nikolaj Berdjajew («Die Seele Russlands», ebenfalls 1915) im Ausbruch des Weltkriegs eine große Chance für Russland, endlich den ihm gebührenden zentralen Platz in der Familie der europäichen Völker einzunehmen. Gorki stand der Idee des «Eigenständigen», der «Besonderheit» - zumindest in seiner Publizistik - immer skeptisch gegenüber, er verstand sie eher als Rückständigkeit.
In der aktuellen Situation galt seine Sorge vor allem der «jungen Demokratie», verstanden als eine breite radikal-demokratische Bewegung gegen die Autokratie und gegen den Krieg. Ihre Willenskraft, so fürchtete er, könne durch diesen neuen Nationalismus und seine antirevolutionäre Stoßrichtung geschwächt werden, und die alten «östlichen» Untugenden, insbesondere
«die Grausamkeit gegenüber den Sklaven und die Liebedienerei vor den Mächtigen», könnten wieder die Oberhand gewissen. Auch vom «Pessimismus» müsse sich dieses neue Russland fernhalten, er sei «beschämend für eine junge Nation».

Zwei Gesichter des Bolschewismus

Der Begriff der «jungen Demokratie» führt zu der Frage, in welcher Gestalt sich Gorki, zwei Jahre vor der Oktoberrevolution, die Zukunft Russlands vorstellte. Man kann mit Gewissheit sagen, dass dieses gelobte Land der Vernunft und der Arbeit dem realen Bolschewismus nach 1917 nicht entsprach. Darüber geben die «Unzeitgemäßen Gedanken» Gorkis, in denen er sein Entsetzen über die Zerstörung der Freiheit durch die Gewaltexzesse der Revolution artikulierte, eindeutig Auskunft. Dennoch war und blieb Gorki ein Verbündeter Lenins und der Bolschewiki, und selbst die heftigsten Auseinandersetzungen in den ersten Jahren der Revolution bis zu seiner erzwungenen Ausreise 1921 führten nie zu einem vollständigen Bruch mit der Partei. Es gab in Gorkis politischem Denken eine grundsätzliche Übereinstimmung mit dem, was er für den Kern des Bolschewismus hielt: das Projekt einer radikalen Modernisierung Russslands auf der Basis einer rationalistischen, areligiösen Utopie. Zur Zeit der Entstehung der «Zwei Seelen» scheint ihm in diesem Projekt wie selbstverständlich auch die Freiheit der Persönlichkeit eingeschlossen. Religionskritik im Geist Voltaires, die unbeschränkte Ausübung von Wissenschaft und Kultur, der Wert des einzelnen Menschenlebens und andere Freiheitsrechte stehen nicht in Frage, das künftige Russland scheint nicht anders denkbar als in Gestalt einer freiheitlichen Demokratie.

Dennoch fordert der Artikel «Zwei Seelen» im Licht der historischen Erfahrung des 20. Jahrhunderts einige kritische Fragen heraus, die eine größere Nähe
dieses recht abstrakten Gedankengebäudes zu dem realen Bolschewismus zum Vorschein bringen, als es auf den ersten Blick erscheint. Der Bolschewismus gab sich offen als die Verbindung von Modernisierung und Diktatur zu erkennen, aber auch in Gorkis Denken gab es diese Tendenz zur Gewalt, zu einer «Diktatur des Guten». Zu einem erheblichen Teil war diese Tendenz auch außerhalb der kommunistisch-revolutionären Projekte erkennbar, sie war Teil auch des bürgerlichen utopischen Denkens, der Idee des Fortshritts im industriellen Zeitalter. In Gorkis Artikel tritt diese Neigung zu Rücksichtslosigkeit und Gewalt besonders dort zutage , wo es um das Verhältnis zur Natur, zur Erziehung des Menschen und zur Zukunft geht.
Gorki zitiert den Radiologen Frederick Soddy, der mit Begeisterung den Anbruch einer neuen Epoche, den «Aufstieg zu der physischen Macht über die Natur» verkündete. Man müsse mit der Natur «kämpfen», ihr ihre Schätze «entreißen», so wie alle Errungenschaften unserer Zivilisation ihren «Klauen» entrissen worden seien. «Das ist der Schlachtruf des Europäers», erklärt Gorki, und auch er sieht es als vornehmste Aufgabe der «kollektiven Vernunft» an, die Natur zu «zwingen», «den Interessen der Menschheit zu dienen». Ökologische Probleme gibt es in diesem Denken nicht, die Natur steht dem omnipotenten Menschen unbeschränkt zur Verfügung.
Über Erziehung wird in «Zwei Seelen» nicht direkt gesprochen, aber man muss sich fragen, was denn mit all den «Menschen des Ostens» geschehen soll, die es möglicherweise vorziehen, «Sklaven und Diener» ihrer Phantasie, ihres Aberglaubens oder ihrer Religion zu bleiben, anstatt sich einem Leben der Tatkraft und der Vernunft zu verschreiben. Muss man diese für die gesamte Menschheit «schädlichen» Tendenzen nicht durch Strenge korrigieren und die zurückgebliebenen Menschen ebenso wie die Natur für höhere Aufgaben zurichten?
Ein anderer Gesinnungsgenosse Gorkis, der Schriftsteller H.G. Wells, spricht von zwei unter den Menschen verbreiteten «Typen des Verstandes», die sich durch ihre Einstellungen zur Zukunft unterscheiden und gleichfalls die Merkmale «schädlich» bzw. «nützlich» tragen:«Vom Standpunkt des ersten Typs betrachtet, ernten wir im Leben nur das, was in der Vergangenheit gesät worden ist, vom Standpunkt des zweiten dient das Leben nur der Vorbereitung und Einrichtung der Zukunft.» Die Zielrichtung auf eine „lichte Zukunft“, die nie erreicht wurde, war eines der grundlegenden Prinzipien des kommunistischen Menschenbildes und diente als Rechtfertigung für die rücksichtslose „Umgestaltung“ des Menschen.
Zwei Jahre später (im Dezember 1917) spricht Gorki in einem Beitrag seiner „Unzeitgemäßen Gedanken“, der dem Weihnachtsfest gewidmet war, von Christus und Prometheus, den „größten Symbolen“, die sie Menschheit erschaffen hat:„Christus ist die unsterbliche Idee der Barmherzigkeit und Menschlichkeit, Prometheus ist der Feind der Götter, der erste Rebell gegen das Schicksal; der Mensch hat nichts Erhabeneres geschaffen als diese beiden Verkörperungen seiner Wünsche.“ (s. den Eintrag auf diesem Blog). In „Zwei Seelen“ ist weder von Christus noch von der Idee der Barmherzigkeit die Rede, aber nach der Logik der Argumentation hätten beide den gefährlichen Giften des Ostens zugerechnet werden müssen. In „Zwei Seelen“ herrscht allein Prometheus, der Feind der Götter. Erst die erschütternden Erfahrungen der Revolutionszeit bringen dem Schriftsteller ein neues Verständnis für die christliche Botschaft.

Zwei Seelen Gorkis

War sich Gorki der Gefahren bewusst, die in seinem Entwurf eines „Reichs der Vernunft“ angelegt waren? Dem Publizisten und politischen Streiter Gorki waren solche Bedenken offensichtlich fremd. Der pädagogische Rigorismus war diesem Teil seiner Persönlichkeit immer eigen, er bildete auch die Brücke zu seiner späteren Rolle als aktiver Unterstützer der Diktatur Stalins. In seinen publizistischen Beitragen der dreißiger Jahre verleugnete Gorki sogar sein zuvor so ausgeprägtes „Westlertum“. Der „verfaulte Westen“ durfte und konnte für das mächtige Russland kein Vorbild mehr sein. Die Gor’kij-Forscherin Natalja Primochkina hat kürzlich in einem Beitrag zum Thema „Osten und Westen“ im Werk Gorkis (Titel unten) die traurige Paradoxie in der Entwicklung Gorkis hervorgehoben. Er sei von den Erfolgen der Industrialisierung, der Kollektivierung der Landwirtschaft und des Aufbaus der Kultur so beeindruckt gewesen, dass er die für diese Errungenschaften zum Opfer gebrachten „Millionen vernichteter Leben“ in Kauf zu nehmen bereit war. „Indem er das Stalin-Regime und die Sowjetmacht besang, bemühte er sich zu übersehen, das seine Heimat sich immer mehr vom Westen und seinen humanistischen Werten abgrenzte und immer mehr den ihm früher so verhassten östlichen Despotien glich.“.
Anders verhält es sich mit dem künstlerischen Werk Gorkis. Der Widerspruch zwischen den Glaubenbekenntnissen des politischen Publizisten und den Schöpfungen des Künstlers Gorki, der sich in vielen Bereichen beobachten lässt, ist beim Thema „Osten vs. Westen“ besonders ausgeprägt. Es handelt sich hier um die problematische Natur des „positiven Helden“, sofern er den westlichen Typus des tatkräftigen Verstandesmenschen verkörpern soll. Dieses Problem hatte schon Gontscharow in seinem „Oblomow“-Roman, in dem die Rolle des vorbildlichen Helden eigentlich dem lebenspraktischen und erfolgreichen Stolz vorbehalten war. Im Vergleich zu dem ganz „östlich“ geprägten Oblomow wurde er aber zu einer blassen und langweiligen Figur. So ergeht es auch den meisten Vertretern der fortschritllichen Intelligenzija in Gorkis Werk bis hin zu dem Revolutionär leninscher Prägung Kutuzov in „Das Leben des Klim Samgin“. Wie sehr der Publizist und der Künstler Gorki miteinander im Streit liegen, zeigt sich auch in „Zwei Seelen“, besonders in der Aufzählung der „östlichen“ – und damit für die russische Psyche schädlichen – Typen in der russischen Literatur: unter ihnen die ungezählte Masse der „überflüssigen Menschen“, aller möglichen Pilger, Vagabunden, „Onegins in Fräcken, Onegins in Bastschuhen und Bauernkitteln“, die alle von einer inneren „Unruhe“ und der „Lust am Wechsel des Ortes“ beherrscht sind. Man kann das als eine Liste der typischen Gorki-Helden lesen, denen er keineswegs nur Abscheu und Verachtung, sondern seine ganze Liebe hat zuteil werden lassen.

Primochkina führt in dem erwähnten Beitrag einen Text Gorkis über die Sitten und Gebräuche auf russischen Friedhöfen an, in dem die Haltung des Autors von der Verurteilung eines „barbarischen“, pietätlosen Umgangs mit den Toten unmerklich zu der eines liebevollen Betrachters überwechselt, der das Bild des Friedhofs zu einem Symbol des von Herzlichkeit geprägten russischen Lebens ausgestaltet. Mit diesem inneren Zwiespalt sei Gorki eineVerkörperung der russischen Volksseele, meint die Verfasserin. Und es sei ihm nicht gelungen, die „östlichen“ und „westlichen“ Komponenten dieser Seele miteinander in Einklang zu bringen.

Die Beziehung der russischen Künstler und Intellektuellen zum Westen hat immer zwischen den Extremen der bedingungslosen Ablehnung und der ebenso bedingungslosen Verehrung geschwankt. „Zwei Seelen“ ist ein anschauliches Beispiel für die zweite Variante. Gegenwärtig scheint die öffentliche Meinung wieder mehr dem „Osten“ zuzuneigen, und dies, wie schon früher , vor allem aus gekränkter nationaler Eigenliebe. Unter den Bedingungen einer Lebensweise, die „westlicher“ kaum zu denken ist, gewinnt die nationale Besonderheit wieder an Bedeutung und nimmt, besonders mit dem Bezug auf Dostojewski, von neuem die Form allzu schmeichelhafter Selbstbilder an. In dieser Situation kann Gorkis Bußpredigt wider die „östlichen“ Ablagerungen in der russischen Seele als eine erfrischende Gegenstimme gelesen werden.

Zitiert wurde aus dem Beitrag
N.N. Primochkina: Antinomija „Vostok – Zapad“ v mirovozzrenii i tvorchestve Gor’kogo. In: Koncepcija mira i cheloveka v tvorchestve M. Gor’kogo. Serija „M. Gor’kij. Materialy i issledovanija“, Vyp. 9, M. IMLI RAN, 2009, S. 41-81.

Zum Thema der russischen „Besonderheit“ s. in diesem Blog
Dostojewski: „Politisches Testament“ und weitere Einträge in der Abteilung „Russland und die Russen“

Kategorie: Russland und die Russen

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