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1868 - 1905

Sonntag, 18. Juni 2006, 11:23:23 | Armin Knigge

28. (16.) 03.1868

Aleksej Maksimovich Peshkov (Peschkow) in Nizhni Novgorod geboren. (Das Datum in Klammern nach dem sog. alten Stil, d.h. vor der Kalenderreform 1918).
Vater: Maksim Savvateevich Peshkov, Tischler und Dekorateur
Mutter: Varvara Vasil’evna, Tochter des Färbermeisters Vasilij Kashirin (Kaschirin)
Geboren im Haus des Großvaters.


1871

Die Familie zieht im Frühjahr nach Astrachan‘, wo der Vater die Leitung eines Reedereibüros übernimmt. Einige Wochen später stirbt der Vater an Cholera, er hat sich bei dem 3-jährigen Sohn angesteckt. Die Mutter kehrt mit Aleksej nach N.N. zurück. In den folgenden Jahren wirtschaftlicher Misserfolg und Verarmung des Großvaters; eine neue Ehe der Mutter ist unglücklich.

Meine Mutter hat auf mein Leben keinerlei Einfluss genommen, da sie mich für die Ursache des Todes meins Vaters hielt und mich deshalb nicht liebte.
„Aleksej Maksimovich Peshkov, Pseudonym Maksim“ (1897)



1877-1878

Besuch einer kirchlichen Elementarschule in Nizhni Novgorod. Gleichzeitig als Lumpensammler tätig.


1879-1884

Tod der Mutter, der Großvater schickt den 11-jährigen „unter Menschen“. Arbeit in einem Schuhgeschäft, Geschirrwäscher auf Wolga-Dampfschiffen, Lehrling in einer Ikonenwerkstatt, Angestellter im Haus eines Bauzeichners. In dieser Periode intensives Lesen, vor allem Übersetzungen französischer Boulevardromane.

Die Bücher zeigten mir ein anderes Leben – ein Leben voll großer Gefühle und Begierden, die die Menschen zu Heldentaten oder zu Verbrechen führten. Ich sah, dass die Menschen, die mich umgaben, keiner Heldentaten oder Verbrechen fähig waren, dass sie irgendwo abseits von alldem lebten, wovon die Bücher sprachen... Ich wollte ein solches Leben nicht führen...
„Unter fremden Menschen“ (1916)



1884-1887

Zieht nach Kazan‘ mit der (illusorischen) Absicht, an der Universität zu studieren. Wohnt in Elendsquartieren, arbeitet ab 1886 in der Bäckerei A.S. Derenkov, einem Treffpunkt der revolutionär gestimmten Jugend. Kontakte mit konspirativen Zirkeln. Selbstmordversuch (1887), eine Lungenverletzung durch den Schuss wird die Ursache der lebenslangen Tuberkulose.

Sie sahen mich an, wie Tischler ein Stück Holz ansehen, aus dem sich etwas Ungewöhnliches machen lässt.
„Meine Universitäten“ (1923)



1888-1889

Reise mit dem Revolutionär (Narodnik) M.A. Romas‘ in das Dorf Krasnovidovo zum Zweck revolutionärer Propaganda (beschrieben in „Meine Universitäten“). Anschl. Wanderungen im Wolgagebiet. Arbeit auf den Eisenbahnstationen Volzhskaja, Dobrinka u.a. Auf der Station Krutaja organisiert er einen Zirkel der Weiterbildung.


1889-1891

Rückkehr nach Nizhni Novgorod. Findet eine Arbeit als Schreiber bei dem Notar A.I. Lanin. Verhaftung und einige Tage im Gefängnis wegen Kontakt mit einem politisch Verdächtigen, danach unter Polizeiaufsicht. Bekanntschaft mit dem Schriftsteller V.G. Korolenko, dem er das Poem „Lied von der alten Eiche“ vorlegt.


1892

Nach ausgedehnten Wanderungen durch Wolga- und Dongebiet, Ukraine, Krim, Kaukasus und Bessarabien 1891 in Tiflis angekommen, arbeitet er in den Werkstätten der kaukasischen Eisenbahngesellschaft. Mitarbeit in Agitationszirkeln für Arbeiter. Beginnt auf Rat des namhaften Revolutionärs A.M. Kaljuzhnyj Erzählungen zu schreiben. Im September 1892 erscheint in der Tifliser Zeitung „Kavkaz“ die Erzählung „Makar Chudra“ (Tschudra), Pseudonym: Maksim Gorki. Ab 1895 Publikationen in überregionalen Zeitschriften.

Lernen und lehren, sagst du? Kannst du denn lernen, die Menschen glücklich zu machen? Nein, das kannst du nicht... Was kann man Menschen überhaupt beibringen? Jeder weiß selbst, was er braucht.
„Makar Tschudra“ (1892)



1894

Wird professioneller Journalist. Zieht nach Samara als ständiger Mitarbeiter der „Samarskaja Gazeta“ (belletristisches Feuilleton und lokale Beiträge unter dem Pseudonym Iegudiil Khlamida). Ein Jahr später wieder in N.N., wo er als Mitarbeiter der Zeitung „Nizhegorodskij listok“ von der Allrussischen Industrie- und Kunstausstellung berichtet.


1896

Vermählung mit Ekaterina Pavlovna Peshkova. Im selben Jahr erkrankt er an Tuberkulose. 1897 Geburt des Sohns Maksim, 1901 der Tochter Katja.


1898

Die zweibändige Sammlung „Skizzen und Erzählungen“ erscheint. G. schickt sie an A. Tschechow (Beginn des Briefwechsels, erste Begegnung 1899 in Jalta)

Es ist eine Zeit gekommen, die das Heroische braucht: alle wollen etwas Aufrüttelndes, Lebhaftes, etwas, wissen Sie, das nicht wie das Leben ist, sondern höher als das Leben, besser, schöner. Es ist unbedingt notwendig, dass die jetzige Literatur beginnt das Leben schöner darzustellen, es auszuschmücken...
An Tschechow (5.01.1900)



1899-1900

Erstmals in Petersburg. In literarischen Kreisen vielbeachteter Besuch. Trägt auf einem musikalisch-literarischen Abend „Das Lied vom Falken“ (Pesnja o Sokole) vor. 1900 Begegnungen mit Lev Tolstoi in Moskau und in Jasnaja Poljana. Besucht Aufführungen von Dramen Tschechows im Moskauer Künstler-Theater. Erlebt bald darauf in Jalta das Gastspiel des Theaters auf der Krim. Lernt dort die Schriftsteller I.A. Bunin, A.I. Kuprin u.a. kennen.

Lev Nikolaevich zu sehen, das ist sehr wichtig und nützlich, obwohl ich ihn keineswegs für ein Wunder der Natur halte. Du schaust ihn an - und es ist schrecklich angenehm, ebenfalls ein Mensch zu sein, sich bewusst zu machen, dass der Mensch Lev Tolstoi sein kann.
An Tschechow (21/22 Jan. 1900)



1901

Übernimmt mit K. Pjatnickij die Leitung des Verlags „Znanie“ (Wissen), der ab 1904 Sammelbände mit Belletristik für breite Leserschichten publiziert.

Teilnahme an einer Studentendemonstration in Petersburg, die von der Polizei mit brutalen Mitteln aufgelöst wird. Unterstützt Protestaktionen der Studenten. Beginnt mit größeren Geldspenden an die Sozialdemokraten (die Partei Lenins). Erneute (dritte) Verhaftung wegen revolutionärer Umtriebe, nach der Entlassung Hausarrest. In der marxistischen Zeitschrift „Zhizn‘“ (Leben) erscheint „Das Lied vom Sturmvogel“ (Pesnja o Burevestnike). Ausweisung aus Nizhni Novgorod. Nach einem Aufenthalt in Arzamas unter Polizeiaufsicht wird ihm eine Reise auf die Krim aus gesundheitlichen Gründen gestattet. Die Verabschiedung in N. N. wird – wie alle öffentlichen Auftritte Gorkis - zur politischen Demonstration.


1902

Die Akademie der Wissenschaften (Abteilung Schöne Literatur) wählt Gorki als Ehrenmitglied. Auf den Einspruch Nikolais II. („Mehr als orginell“) wird der Beschluss revidiert. Die Schriftsteller Korolenko und Tschechow geben daraufhin ihre Ehrenmitgliedschaft an die Akademie zurück. Beginn der Karriere G.s als Dramatiker. Uraufführungen der Dramen „Die Kleinbürger“ (Meshchane) und „Nachtasyl“ (Na dne). „Nachtasyl“ ein Riesenerfolg, auch im Ausland. 1903 mit großem Erfolg an Max Reinhardts „Kleinem Theater“ in Berlin aufgeführt (500 Vorstellungen bis 1905). - Bei der Premiere des Dramas „Sommergäste“ (Dachniki, 1904) in Petersburg kommt es zu tumultartigen Protesten von Vertretern des Symbolismus.

Du bist ein feiner Kerl. Du lügst so schön..., kannst so angenehm Märchen erzählen. Lüg ruhig, Bruder, es gibt so wenig Angenehmes auf der Welt.
„Nachtasyl“



1905

Aktive Teilnahme an der ersten russischen Revolution, Eintritt in die Sozialdemokratische Partei. Wird Zeuge des Blutbads, das zarische Truppen bei ihrem Angriff auf eine friedliche Arbeiterdemonstration anrichten (9. Januar) und schreibt einen Aufruf zum Kampf gegen die Autokratie. Wird verhaftet und in der Peter-Pauls-Festung in Petersburg eingesperrt. In Westeuropa setzen sich Intellektuelle in zahlreichen Manifestationen für seine Freilassung ein. Wird nach einem Monat aus der Haft entlassen.

Im November erste Begegnung mit Lenin in Petersburg.

Schließlich näherte sich Samgin immer häufiger einem Gedanken, der ihm noch vor kurzem organisch feindlich gewesen war: das Leben ist in einem solchen Maße aus den Fugen geraten, dass diejenigen am einfachsten und verständllichsten erscheinen, die beschlossen haben, dieses Lebens radikal zu verändern, seine Grundfesten zu zerstören.
„Das Leben des Klim Samgin“

Kategorie: Lebensdaten

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